Business Steiermark 2025 KW44

STEIERMARK | AUSGABE 3/2025

DAS MAGAZIN ÜBER FAMILIENBETRIEBE BUSINESS

STEFAN KRISPEL Im steirischen Vulkanland wird Genuss zum Erlebnis

WACHSTUM MIT WEITBLICK

WEM GEHÖREN DIE BÖRSEN Mächtige Finanznetze am Aktienmarkt

WIR SIND WELTMEISTER Österreich als Land der Weltmarktführer

ELEKTRISCHER FUHRPARK Das sind die Vorteile für Unternehmen

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BUSINESS

EDITORIAL

Die über 150.000 heimischen Familienunternehmen liefern regionale Identität, Stabilität, Innovationskraft sowie Beschäftigung im ganzen Land.

Christian Lengauer Herausgeber & Geschäfts führender Gesellschafter Weekend Mediengruppe

Nadja Tanzer Geschäftsführerin Weekend Magazin Steiermark

BESTÄNDIG UND KRAFTVOLL ÖSTERREICH VORANBRINGEN

Liebe Leserinnen und Leser!

M ut, Einfallsreichtum, Flexibilität, Handlungsstärke und Weitblick – nur wer diese Eigenschaften mit bringt, kann in politisch wie wirtschaftlich unsicheren Zeiten bestehen. Es gibt in Österreich auch zahlreiche Vorbil der, die als Best-Practice-Beispiele vorangehen! Einige dieser heimischen Top-Unternehmen stellen wir in dieser Ausgabe „Weekend Business“ vor. In Generationen denken. Familienunternehmen bringen die idealen Voraussetzungen dafür mit und sind das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft – beständig und von enormer Kraft. Sie liefern nicht nur regionale Identität, sondern auch Stabilität, Innovationskraft und Beschäftigung im ganzen Land. Sie denken in Generationen, treffen Entscheidungen mit Blick auf langfristige Verantwortung und verbinden Tra dition mit moderner Unternehmensführung. Strategien beleuchten. Dieses Magazin widmet sich je nen Unternehmerinnen und Unternehmern, die mit Kraft und Bodenhaftung den Wirtschaftsstandort Österreich mit gestalten. Es beleuchtet ihre Strategien, ihre Herausforde rungen – und ihre Geschichten, die zeigen, dass Erfolg am nachhaltigsten wächst, wenn er familiäre Wurzeln hat. In diesem Sinne wünschen wir viel Vergnügen mit der vorliegenden Ausgabe des „Weekend Business“!

FOTOS: WEEKEND, CHRIS ZENZ

WEEKEND BUSINESS | 3

INHALT

Global vernetzt. Heimische Firmen als Weltmarktführer. 42

Finanzmarkt. Wie Börsen funktionieren und welche Macht sie haben. 06

Digitalisierung. Auf der Höhe der technischen Zeit zu bleiben, ist absolut überlebenswichtig. 54

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Tradition & Zukunft. Familienunternehmen aus ganz Österreich im Porträt. Lohnnebenkosten. Was die Abgaben für Österreich als Standort bedeuten. Führende Frauen. So stärken Frauen in Führungspositionen die Unternehmen.

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Steuersparender Fuhrpark. Diese finanziellen Anreize sprechen für E-Fahrzeuge. 80

62

IMPRESSUM Medieninhaber: Weekend Magazin Steiermark GmbH, Elisabethstraße 5/2, 8010 Graz. Redaktion Steiermark: Elisabethstraße 5/2, 8010 Graz, Tel.: +43 50 6964-8001, E-Mail: redaktion.stmk@weekend.at. Redaktion Oberösterreich: Zamenhofstraße 9, 4020 Linz, Tel. +43 50 6964-4444, E-Mail: redaktionooe@weekend.at. Redaktion Wien: Gumpendorfer Straße 19, 1060 Wien, Tel. +43 50 6964-2100, E-Mail: redaktionwien@weekend.at. Redaktion Salzburg: Rottweg 66, 5020 Salzburg, Tel. +43 50 6964-5555, E-Mail: redaktion.salzburg@weekend.at. Redaktion Vorarlberg: Tel.: +43 676 896 848 07, E-Mail: s.dueringer@weekend.at. Redaktion Kärnten: Völkermarkter Ring 1, 9020 Klagenfurt, Tel. +43 50 6964-9777, E-Mail: redaktionktn@weekend.at. Redaktion Burgenland: Hauptstraße 33, 7210 Mattersburg, Tel.: +43 2626 636 16, E-Mail: burgenland@weekend.at. Redakti on Tirol: Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck, Tel. +43 512 353 888-0, E-Mail: redaktiontirol@weekend.at. Herausgeber: Christian Lengauer (MBA), Zamenhofstraße 9, 4020 Linz. Geschäftsführung: Mag. Nadja Tanzer, Christian Lengauer (MBA). Chefredaktion Österreich: Werner Christl. Vertrieb: Österr. Post AG. Druck: Radin print d.o.o., 10431 Sveta Nedelja, Kroatien. Im redaktionellen Teil stehende entgeltliche Veröffentlichungen sind mit ANZEIGE gekennzeichnet. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos sowie Satz- und Druckfehler übernehmen wir keine Haftung. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Derzeit gilt Preisliste 2025. Informationen zur Offenlegung gemäß § 25 MedienG können unter www.weekend.at abgerufen werden. Haben Sie einen Fehler in einem Artikel gefunden? Schicken Sie uns bitte Ihr Feedback unter www.weekend.at/verlag/artikel-feedback

COVERFOTOS: BERND GROSSECK, LAND DER WELTMARKTFÜHRER: ISTOCK.COM/ SOMCHAISOM, BÖRSEN: ISTOCK.COM/ CHAKISATELIER, FUHRPARK: ISTOCK.COM/RALF HAHN FOTOS: BMW: HERSTELLER, DIGITALISIERUNG: ISTOCK.COM/METAMORWORKS, OBEN: ISTOCK.COM/ SOMCHAISOM, BÖRSEN: ISTOCK.COM/ CHAKISATELIER

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BUSINESS

BÖRSEN MONOPOLY Handelsplätze New York, London, Frankfurt, Paris: Aus exklusiven Clubs entstanden globalisierte Netzwerke. Ihr Geschäft umfasst nicht nur den Handel mit Aktien, sondern zunehmend auch den Handel mit Daten.

TEXT: KLAUS SCHOBESBERGER

FOTO: ISTOCK.COM/CHAKISATELIER

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BUSINESS

Die Softwarelösungen von Nasdaq kommen an mehr als 100 Börsen weltweit zum Einsatz.

D ie Meldung kam fast unbemerkt über den Finanzticker: An ei nem heißen Tag im Juli gab Euronext bekannt, die Börse Athen übernehmen zu wol len. Kaufpreis: bis zu 400 Millionen Euro. Aktionäre haben noch bis 17. November Zeit, dem freiwilligen Übernahmeangebot zuzustimmen – und abzucashen. Die griechische Wertpapierbörse im Schatten der Ak ropolis würde dann gemeinsam mit den sieben Handelsplätzen Amster dam, Paris, Brüssel, Dublin, Lissa bon, Mailand und Oslo unter dem Dach von Euronext vereint sein. Der europäische Börsenverbund, neben der Deutschen Börse AG und der London Stock Exchange (kurz: LSE) einer der drei Big Player in Europa, hat ambitionierte Pläne: Unter seiner Ägide soll der alte Kontinent wieder verlorenes Terrain gut machen. Etwa die Hälfte des globalen Wertpapier markts wird von den Amerikanern

ternehmen sank von 41 im Jahr 2000 auf 18 im Jahr 2024. Ein Grund: Der Kapitalmarkt funktioniert in Übersee viel besser. Europäische Wachstums stars finden auf dem zersplitterten und unterentwickelten EU-Kapital markt keine Geldgeber – und pilgern wie der schwedische Musikstrea mingdienst Spotify 2018 an die New Yorker Börse, um frisches Geld von Investoren einzusammeln. Die lang diskutierte „Kapitalmarktunion“ wäre eine schlagkräftige Antwort, ist aber unter den EU 27 politisch nicht durchsetzbar – auch Österreich stellt sich quer. So soll wenigstens der Zusammenschluss der wichtigsten Börsenplätze forciert werden, um Kräfte zu bündeln und die Attrakti vität Europas für Börsen-Newcomer zu steigern. Gute Geschäfte der Betreiber Innerhalb der letzten 25 Jahre haben sich Börsen von exklusi ven Clubs zu riesigen Play

und ihrem bedeutenden Tech-Sektor dominiert. Klingenden Namen wie Apple, Alphabet (Google), Microsoft, Amazon oder Nvidia hat Europa kaum etwas entgegenzusetzen. Von den 100 wertvollsten börsennotierten Firmen weltweit stammen 62 aus den USA. Der Anteil europäischer Un

Für uns Fonds manager ist das nicht so relevant, wer die Eigentümer der Bör sen sind. Wir wollen einfach die Aktien liquide handeln mit geringen Kosten.

Alois Wögerbauer GF 3 Banken-Generali Invest

FOTO: ISTOCK.COM/LUCKY-PHOTOGRAPHER, PORTRAIT: 3BG

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Rosenbauer vertraut auf die Digitalisierung mit Magenta. DA FÜR DIE, DIE ALLES GEBEN.

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Boschan: Wir sind heute ein hoch in ternationalisiertes Haus. Während frü her ein Großteil der Umsätze im Inland erwirtschaftet wurde, stammen heute rund 85 % unserer Handelsumsätze aus dem Ausland, generiert durch global tätige Institute wie Morgan Stanley, J.P. Morgan oder Goldman Sachs. Diese Entwicklung zeigt klar unseren Weg: Internationalisierung. Wir wollen die beste Bühne für österreichische Unter nehmen bieten – und das nicht nur im heimischen Umfeld, sondern im welt weiten Börsenrampenlicht. Daneben setzen wir auch auf Diversifizierung. Aktienhandel und Listings sind nicht die einzigen wichtigen Umsatztreiber. Auch Datenvertrieb, IT-Services und ein starkes Wertpapier-Verwahrge schäft zählen heute dazu. n zum chinesischen Festland offen für ausländische Privatanleger ist. 14 Milliarden Dollar wurden mit Neuemissionen im ersten Halbjahr eingesammelt, achtmal mehr als 2024. Seit Mai notiert zum Beispiel CATL, der weltgrößte Hersteller von Autobatterien, in Hongkong. Die Ak tie kann damit auch von österreichi schen Anlegern gekauft werden. Die Hong Kong Exchanges and Clearing Limited (kurz: HKEX) ist selbst seit 2000 börsennotiert und gehört zu den wertvollsten Unternehmen in ganz Asien. Chancen für Anleger Börsen zu betreiben ist inzwischen also selbst zu einem lukrativen Ge schäftsmodell geworden, von dem auch Anleger profitieren können. Al lein der Aktienkurs der LSE Group erreichte in den letzten 25 Jahren

der London Stock Exchange Group. Der US-Software-Gigant hat mit der Eigentümerin der Londoner Börse einen Vertrag für Cloudlösungen und Datenanalysen abgeschlossen. Das Geschäft mit Daten spielt auch eine immer wichtigere Rolle bei der Chicago Mercantile Exchange (kurz: CME), eine der größten Deri vate- und Rohstoffbörsen der Welt. Die Gruppe, die 2010 die „Dow- Jones-Indizes“ kaufte, macht 12 Pro zent ihres Umsatzes mit Marktdaten. Bei der Intercontinental Exchange, der börsennotierten Eigentümerin der New York Stock Exchange (NYSE) sind es sogar 45 Prozent. Indikator für den Erfolg einer Börse, aber auch für jenen einer Volkswirtschaft, sind Anzahl und Größe der Börsengän ge. Bis zu 100 sollen es heuer allein in Hongkong werden – das als Son derverwaltungszone im Gegensatz

Der Börsenverbund Euronext will die Börse Athen übernehmen. Ist so ein Szenario auch für die Wie ner Börse denkbar? Christoph Boschan: Strategische Zukunftsoptionen werden in allen Dimensionen regelmäßig mit den Ei gentümern diskutiert. Was ich sagen kann: Die Wiener Börse ist bereits heu te in ein sehr internationales Netzwerk eingebunden. Die Prager Börse ist Teil unserer Gruppe und wir stellen dar über hinaus den Börsen in Laibach, Budapest und Zagreb unsere Han delsinfrastruktur zur Verfügung und konsolidieren elf Märkte auf unserer Dateninfrastruktur. In jenem Bereich, in dem Größe zählt – nämlich Handels technologie – setzen wir konsequent auf weltweit führende Partner wie die ern und Konglomeraten entwi ckelt. Sie nutzen die monopol- artigen Netzwerkeffekte, für die Big Tech bekannt ist, und sie haben ihre Geschäftsmodelle kontinuierlich ausgeweitet. Börsen verdienen nicht nur an jeder Transaktion und erhe ben Listing-Gebühren bei erstma liger Notierung (Börsengang/IPO), sondern expandieren ins Ausland, verkaufen Echtzeit-Marktdaten oder erhalten Gelder für die Nutzung ih rer Handelsplattformen sowie ihrer Clearing- und Abwicklungssysteme. Allein die Softwarelösungen der Technologiebörse Nasdaq werden an mehr als 100 anderen Börsen in 50 Ländern eingesetzt. Das europä ische Gegenstück ist das Handels system Xetra der Deutschen Börse AG, das auch an der Wiener Börse zum Einsatz kommt. Nicht zufällig ist Microsoft viertgrößter Aktionär

FOTO: WIENER BÖRSE/DANIEL HINTERRAMSKOGLER

„WIR SIND EIN HOCH INTER NATIONALISIERTES HAUS“

Christoph Boschan, Vorstandsvorsitzender der Börsengruppe Wien und Prag

Euronext, die Deutsche Börse oder die Nasdaq. Derzeit haben wir die Deut sche Börse als Partner. Wie haben sich die Geschäfte der Wiener Börse seit ihrer Privatisie rung vor 25 Jahren entwickelt?

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BUSINESS

Rekord: Die Börse Hongkong zählt heuer mehr als 100 Börsengänge.

die Frankfurter Wertpapierbörse, wurden ursprünglich als Mitglieder organisationen gegründet. Die Mit glieder – oft Banken, Brokerhäuser oder Händler – besaßen Anteile an der Börse und hatten damit sowohl Einfluss auf deren Betrieb als auch wirtschaftliche Vorteile, wie etwa Zugang zu Handelsprivilegien. Sonderfall Wiener Börse Inzwischen gilt das Börsen-Monopo ly: Fressen oder gefressen werden. Ei nen Sonderstatus nimmt die Wiener

einen Wertzuwachs von 1.206,7 Pro zent und übertrifft damit den FTSE 100, den wichtigsten Index der Lon doner Börse. „Es ist tatsächlich viel zu wenig bekannt, dass man auch in die Aktien der Börsenbetreiber inves tieren kann; viele sind langjährige echte Erfolgsstorys. Das liegt an den immer weiter steigenden Handelsvo lumina, es liegt aber vor allem auch daran, dass die Börsenunternehmen auch große Datenanbieter sind; wir kennen das aus dem eigenen Haus. Alle Indexdetails, die man verwen den will, sind zu kaufen – und die Lizenzgebühren sind für die An bieter recht attraktiv“, erklärt Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gm bH und einer der profiliertesten Fondsmanager des Landes. Vor der Jahrtausendwende waren die Akti onäre eines Börsenplatzes oft auch die Anteilseigner der Börse selbst. Viele Börsen, wie etwa die New York Stock Exchange (NYSE) oder

Börse ein. Sie gehört zu etwa je zur Hälfte börsennotierten österreichi schen Unternehmen wie OMV oder Verbund und heimischen Banken wie Erste Group oder Raiffeisen Bank In ternational. „Die Wiener Börse ist be reits heute in ein sehr internationales Netzwerk eingebunden“, sagt Wiener Börse-Chef Christoph Boschan im Interview. Die Prager Börse ist Teil des Unternehmens, darüber hinaus stellt Wien den Börsen in Laibach, Budapest und Zagreb ihre Handels- infrastruktur zur Verfügung. Wien gilt auch als ein idealer Hub für In vestitionen in die Wachstumsregion Zentral- und Osteuropa. „Ich denke, dass sich auch für die Wiener Börsen auf Sicht die Frage stellen wird, ob man in einem Verbund nicht besser aufgehoben wäre. Für uns Fondsma nager ist das alles nicht so relevant. Wir wollen einfach die Aktien liquide handeln mit geringen Kosten – egal wer die Eigentümer der Börse sind“, sagt Alois Wögerbauer. n

14 Milliarden Dollar sammelte die Börse Hongkong im 1. Halbjahr 2025 durch Neu- emissionen ein.

FOTO: HKEX

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Astrid Riegelnegg ist Leiterin des Zentrums inklusiver Arbeitsmarkt in Graz.

BERUFLICHE INKLUSION Schritt für Schritt Seit einem Jahr betreibt Jugend am Werk das „Zentrum inklusiver Arbeitsmarkt“ in Graz. Hier werden Menschen mit Behinderung individuell auf ihrem beruflichen Weg begleitet, idealerweise bis zum echten Dienstvertrag.

B ei der Inklusion von Men schen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt liegt noch ein weiter Weg vor uns“, be schreibt Astrid Riegelnegg, Leiterin des Zentrums bei Jugend am Werk Steiermark. Aktuell steht Menschen mit Behinderung fast ausschließlich das Modell „Teilhabe an Beschäfti gung“ zur Verfügung. So Beschäftig te erhalten ein Taschengeld und kön nen bis zur Geringfügigkeitsgrenze dazuverdienen, sind aber nicht ange stellt. Über Projekte wie „inArbeit“ ändert sich das aber: Schritt für Schritt werden echte Dienstverträge und da

mit echte Inklusion möglich. „Im Zen trum inklusiver Arbeitsmarkt unter stützen wir unsere Nutzer*innen da bei, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Wir begleiten sie individuell: von der theoretischen Qualifizierung, über Orientierungspraktika bis hin zu einer sinnvollen beruflichen Tätigkeit, die zu ihnen passt“, so Riegelnegg. Fürs Leben lernen Los geht der Wunsch nach beruflicher Veränderung oft bei Wolfgang Wo schitz: Er bietet am Gürtelturmplatz unterschiedliche theoretische Quali fizierungsmodule für Menschen mit

Behinderung an. „In unseren Kursen besprechen wir grundlegende Themen wie: Welche Einkommensarten gibt es? Oder: Wie bereite ich mich auf ein Be werbungsgespräch vor? Gleichzeitig unterstützen wir unsere Nutzer*in nen dabei, ihre Talente und Stärken zu entdecken“, beschreibt Woschitz. Aktuell stehen in Graz drei Module zur Auswahl: Geld und Rechtliches, Kom munikation, Gesundheit und Sicher heit. Weitere sind schon in Planung, zum Beispiel zum Thema seelische Gesundheit. Insgesamt sollen künf tig 12 Module angeboten werden, in denen Menschen mit Behinderung das

ANZEIGE FOTOS: JUGEND AM WERK / MIRIAM RANEBURGER

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BUSINESS

theoretische Handwerkszeug für einen Einstieg ins Arbeitsleben bekommen. Training als Sprungbrett Als nächstes folgt die Praxis, zum Bei spiel im Café und Bistro Grazer Gürtel turm. „Bei uns sammeln Menschen mit Behinderung in einer sicheren Umge bung erste Erfahrungen. Es ist eine Art Trainingsarbeitsplatz“, erklärt Bezugs begleiterin Sandra Höbenreich-Pichler. Neben Fähigkeiten fürs Service erwer ben die Nutzer*innen dabei auch viele weitere Kompetenzen, von Pünktlich keit bis Teamarbeit. Möglich ist dieses Training nicht nur im Café, sondern auch an vielen weiteren geschützten Arbeitsorten: etwa im Movieteam oder über Arbeitsgruppen in Firmen wie XAL und der Medienfabrik Graz. Eines haben diese Angebote aber alle gemeinsam. Sie fallen in den Bereich Teilhabe an Beschäftigung. Wer hier arbeitet, erhält nur ein Taschengeld und „Provision“ für erbrachte Leis tungen. 1:1 zum Dienstverhältnis Anders ist das beim Projekt „inAr beit“, das ebenfalls im neuen Zentrum am Gürtelturmplatz angesiedelt ist:

Wolfgang Woschitz hält am Zentrum inklusiver Arbeitsmarkt unterschiedliche Qualifizierungsmodule für Menschen mit Behinderung.

suchen nach einer passenden Firma für sie.“ Unternehmen gesucht Für die Firmen entsteht kein zusätz licher Aufwand: Sie erhalten einen Teilhabezuschlag, bekommen also einen Teil der Lohnkosten ersetzt. Zusätzlich begleiten die Teams von Jugend am Werk nach Unterschrift des Dienstvertrags weiter. „Wir stehen dauerhaft zur Verfügung und unter stützen zum Beispiel beim Anlernen neuer Tätigkeiten. Das schafft Sicher heit und Stabilität für Nutzer*innen und Unternehmen“, so Kern. Für sie ist das Projekt zukunftsweisend: „Es ist schon lange überfällig, dass Men schen mit Behinderung die gleichen Chancen auf kollektivvertragliche Entlohnung bekommen. Das muss unbedingt ausgeweitet werden.“ Mehr Infos unter www.jaw.or.at

Seit 2018 begleitet Jugend am Werk hier Menschen mit Behinderung auf ihrem Weg zu einem Dienstverhältnis. Mit echten Dienstverträgen, fairem Lohn und Anspruch auf Urlaub und Krankenstand. Dafür wird auf 1:1-Be treuung gesetzt, wie Teamleiterin Va nessa Kern beschreibt: „Wir erstellen ein Fähigkeits- und Stärkenprofil der Menschen, die wir unterstützen und

Jugend am Werk Steiermark GmbH

Zentrum inklusiver Arbeitsmarkt Gürtelturmplatz 1/1, 8020 Graz Tel: +43 6664 8000 6 2465 astrid.riegelnegg@jaw.or.at www.jaw.or.at

Das Café und Bistro Gürtelturm in Graz ist ein Trainingsarbeitsplatz für Menschen mit Behinderung.

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n Zeiten von Personal- und Fachkräftemangel benötigen Unternehmen verlässliche I Partner der Wirtschaft Das Service für Unternehmen des AMS Steiermark hilft Betrieben, passende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Schnell und effizient.

Ausbildung und Qualifizierung Das SfU unterstützt aber nicht nur beim Finden, sondern auch bei der (Weiter-) bildung des Personals: Ob Lehrlings ausbildung, Qualifizierung oder Schu lung – die individuell auf den Bedarf der Unternehmen zugeschnittenen Ausbil dungsmodelle helfen, Fachkräfte von morgen auszubilden. Das SfU begleitet Betriebe dabei mit praxisnahen Lösun gen und aktueller Information. Durchblick bei Förderungen Das SfU informiert Unternehmen auch über zahlreiche Fördermöglichkeiten. Dazu zählen Lohnkostenzuschüsse für spezielle Zielgruppen, Qualifizierungs förderungen für Beschäftigte sowie In formationen zum Ausländerinnen- und Ausländerbeschäftigungsgesetz. Ziel ist, Beschäftigungschancen zu sichern und Unternehmen bei ihrer Personalentwick lung zu entlasten. n Unternehmen entstehen während der Ausbildungsphase keine Lohn- und Lohnnebenkosten. Der Arbeitsmarkt verändert sich rasant. Was kann das AMS hier zusätzlich für Unter nehmen leisten? Helge Röder: Neben der klassischen Vermittlung setzen wir zunehmend auf Beratung und Begleitung. Unse re Impulsberatung für Betriebe (IBB), durch professionelle Beraterinnen und Berater, hilft Unternehmen mit einem neutralen Blick von außen, ihre Per sonalstrategien gezielt weiterzuentwi ckeln, individuelle Lösungen zu fin den und bietet Unterstützung bei der Umsetzung. Weiters unterstützen wir auch den Aufbau von Impuls-Quali fizierungsverbünden zur Qualifizie rung von Beschäftigten.

Partner. Eine Ansprechstelle, an die im ersten Moment vielleicht nicht gedacht wird, ist das Arbeitsmarktservice (AMS). Dabei gibt es innerhalb des AMS eine Abteilung, die sich auf Unterstützung bei der Personalsuche spezialisiert hat. Das Service für Unternehmen (SfU) un terstützt Betriebe dabei, schnell passen de Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Das Angebot reicht von gezielten Personalvorauswahlen über Jobmessen bis zu modernen Online-Dienstleistun gen wie dem eAMS-Konto, der Jobplatt form allejobs.at und dem virtuellen Ver mittlungsformat 360.ams.at . Ein weiterer Punkt ist, dass Unternehmen durch die Meldung offener Stellen dazu beitragen, ein genaues Bild des steirischen Arbeits markts zu zeichnen – und werden im Gegenzug vom SfU unterstützt. Viele Unternehmen klagen über einen Fachkräftemangel. Wie kann das AMS Steiermark die Betriebe unterstützen? Helge Röder: Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes beobachten wir eine große Arbeitsmarktdynamik. Wir vermitteln rasch Jobsuchende auf offene Stellen. Wenn Bewerberinnen und Bewerber bestimmte Qualifikati onen für die Stelle fehlen, unterstüt zen wir durch arbeitsplatznahe Aus bildungen. Dabei werden künftige Fachkräfte direkt im Unternehmen praxisnah geschult und bestmöglich auf das spätere Dienstverhältnis vor bereitet. Die konkreten Schulungsin halte werden in enger Abstimmung mit dem Betrieb festgelegt. Für das IM GESPRÄCH

Elisabeth Pascottini, Stv. Leiterin der Abteilung Service für Unternehmen (SfU).

INFOS Service für Unternehmen. Als regional verankerter Partner ist das SfU in allen Bezirken der Steiermark vertreten.

Sind solche Beratungsleistun gen mit Kosten verbunden? Helge Röder: Die Kosten für unsere Services übernimmt das AMS – von der Impulsberatung über Förderin formationen bis zur Personalsuche. Wir möchten, dass alle Unternehmen von unserem Know-how und unseren Dienstleistungen profitieren können. n

Helge Röder, Leiter der Abteilung Service für Unternehmen im AMS.

FOTOS: AMS STEIERMARK

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BUSINESS

ÖSTERREICHS TOP FAMILIEN BETRIEBE

FOTO: ANDREYPOPOV/ISTOCK.COM

BUSINESS

STEIERMARK TOP FAMILIEN BETRIEB

GENUSS AUS ÜBERZEUGUNG

Genussgut Krispel

Das Genussgut Krispel hat sich vom kleinen steirischen Buschenschank zur erlebbaren Manufaktur entwickelt. Bio-Landwirtschaft, die Wiederentdeckung des Wollschweins und präzise Weißweine haben eine Marke geformt, die regional verwurzelt und international gefragt ist.

TEXT: PATRICK DEUTSCH

FOTO: BERND GROSSECK

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BUSINESS

Genuss bedeutet für mich Erinnerungen: Momente mit Freunden, gutem Essen und einem Glas Wein. Es sind diese Augenblicke, in denen alles passt, die bleiben und uns zeigen, was Lebensfreude wirklich ist.

Stefan Krispel erklärt, was Genuss für ihn bedeutet.

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E in kühler Morgen im stei rischen Vulkanland. Über den sanften Hügeln hängt feiner Nebel, aus dem das Dach des Genussguts Kris pel auftaucht. Hier, in Straden, hat alles klein begonnen: mit einem Buschen schank, einer Handvoll Schweine und 0,2 Hektar Reben. 1989 übernahm Vater Toni Krispel den Hof. Er war gelernter Schlosser, ohne landwirtschaftliche Aus bildung, aber mit dem Willen, etwas Eigenes aufzubauen. „Er wollte etwas produzieren, das man angreifen kann“, erzählt Sohn Stefan, der den Betrieb heu te gemeinsam mit seiner Frau Julia führt. Familiäres Fundament Gemeinsam mit seiner Frau Daniela legte Toni Krispel den Grundstein für das, was später zur Marke werden soll te. Schritt für Schritt wuchs der Betrieb. 1993 entstand der Buschenschank mit Zimmern. Die Gastronomie wurde zum Herzstück des Hauses und prägt bis heute als „Genusstheater“ den Hof. Als Stefan 2007 einstieg, zählte der Be trieb drei Mitarbeiter und kaum mehr als zehn Hektar Weinanbaufläche. Doch der Sohn hatte größere Pläne und wollte etwas verändern. „Entweder ihr lasst mich machen oder ich gehe“, sagte er da mals. Die Eltern waren skeptisch, doch

schen dorthin zurückzubringen, wo alles begann. „Das greifbare Weingut ist unser Markenkern“, sagt Krispel. Ein Grund, warum das Genussgut als Erlebnismanufaktur geführt wird und Besuchern einen Blick hinter die Kulis sen erlaubt. Nachhaltig & zukunftsfit Diese Haltung prägt auch die Arbeit am Hof. Der Betrieb ist heute vollstän schank und Zimmern wurde unter seiner Leitung ein viel seitiges Familienunternehmen mit biozertifiziertem Weinbau auf über 34 Hektar und über 80 Traubenlieferanten aus der Süd oststeiermark, Gastronomie und Wollschweinzucht. ZUR PERSON Stefan Krispel. Schon früh war für Stefan Krispel klar, dass sein Platz in Straden liegt. Mit 18 Jahren verantwortete er erst mals eine Ernte am elterlichen Hof. 2015 übernahm er offiziell den Betrieb und begann, das Weingut Schritt für Schritt in ein Genussgut zu verwandeln. Aus einem kleinen Hof mit Buschen

Stefan setzte sich durch. Der Betrieb begann zu wachsen, nach der Über nahme 2015, teils mit beeindruckender Geschwindigkeit. Genussphilosophie Heute ist das Genussgut Krispel weit über die Grenzen der Steiermark hinaus bekannt. Neunzig Prozent der Weine werden außerhalb der Region verkauft, und dennoch bleibt das Ziel, die Men

Egal ob herausragende Weine oder zahlreiche Produkte vom Wollschwein: Das Herzblut der Familie Krispel und ihrer Mitarbeiter wird in den Produkten des Genussguts sichtbar.

FOTOS: BERND GROSSECK

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BUSINESS

Wir wollen kein Weingut zum Anschauen, sondern eines zum Erleben sein. Menschen sollen schmecken, sehen und spüren, was hinter unseren Produkten steckt.

Julia Krispel über das Konzept des Genussgutes

FACTS Aus Leidenschaft gewachsen. 1989 übernahm Toni Krispel den kleinen Hof im stei rischen Vulkanland. Aus 0,2 Hektar Wein, Schwei nehaltung und einem Buschenschank entstand ein Betrieb, der heute für Genuss, Handwerk und Nachhaltigkeit steht. Sohn Stefan führte das Weingut mit Mut und Bauchgefühl weiter, baute Gastronomie und Wollschweinzucht aus – und machte Krispel zu ei ner Marke, die Regionalität erlebbar macht.

Julia und Stefan Krispel führen das Genussgut im steirischen Vulkanland mit Herz und Weitblick.

Wir denken über Generationen, nicht über Jahre. Nachhal tigkeit ist keine Strategie, sondern Verantwortung. Nur wer dem Boden etwas zurückgibt, kann auch in Zukunft guten Wein machen.

„Wir machen, was uns schmeckt“, sagt Julia Krispel. Innovation und Regionalität schließen sich nicht aus, sie wachsen aus derselben Haltung: neugierig sein, aber verwurzelt blei ben. Für Stefan Krispel existiert aber auch ein Spannungsfeld zwischen Tra dition und Fortschritt. „Wir sind als Winzer natürlich ein bisschen gefes selt“, sagt er. „Wir haben kein hippes Produkt. Man kann innovativ, aber nie zeitgeistig sein.“ Die Weingärten, auf denen alles aufbaut, stehen seit Jahr zehnten an ihrem Platz. „Wir sind in der Tradition gefangen, wollen uns aber modern präsentieren und neue Wege finden, ohne die Wurzeln zu verleugnen“. n

dig biologisch zertifiziert und arbeitet in einem Kreislauf aus Landwirtschaft, Weinbau und Tierhaltung. Schweine mist, Trester und Vulkanlandkohle werden zu wertvollem Humus verar beitet, um den Böden etwas zurückzu geben. „Gerade im Weinbau können wir nicht 30 Jahre lang etwas runter schneiden und dann erwarten, dass der Boden in 40 Jahren in einem guten Zu stand ist“, sagt Krispel. Der Boden gilt als wichtigster Partner. Was er hergibt, bestimmt die Qualität der Produkte. Innovation aus dem Bauch Neue Produkte entstehen selten am Reißbrett. Vieles, wie etwa der alko holfreie Wein, folgt dem Bauchgefühl.

Stefan Krispel über Nachhaltigkeit und Verantwortung

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WIEN TOP FAMILIEN BETRIEB

DAS GELD MUSS ARBEITEN

TEXT: ANDREA SCHRÖDER

Familie Lemberger & Ernst

Niemand heißt hier Rainer. Und der Mazda-Verkauf ist längst nur mehr ein Standbein von vielen: RAINER KFZ ist heute mit der RAINER Gruppe breit aufgestellt. Die Führung des Unternehmens bleibt aber Familiensache.

Gabriela Lemberger, Geschäftsführerin der RAINER Gruppe

Stephanie Ernst Geschäftsführerin

Burkhard Ludwig Ernst, Gründer

FOTO: ALEX FELTEN

Burkhard Ernst, Geschäftsführer der RAINER Gruppe

Maximilian Lemberger, Geschäftsführer

BUSINESS

ZAHLEN Ca. 400 Mitarbeiter ge hören zum Unternehmen. Ca. 2.000 Wohnungen sind aktuell im Besitz der Familie Ernst & Lemberger. Ca. 1.235 Zimmer vertei len sich auf 10 Hotels der RAINER Gruppe. Ca. 100 Millionen Euro Umsatz werden jährlich erzielt.

Eingespieltes Team: Burkhard Ernst, sein Neffe Maximilian Lemberger und das Oberhaupt der Familie, Burkhard Ludwig Ernst.

J eden Vormittag um zehn trifft sich die Familie Ernst-Lem berger zum Jour fixe. Kein Palaver, kein Protokoll – ein Tisch, fünf Stimmen, eine Regel: „Wer Nein sagt, hat recht.“ Das Vetorecht ist das Sicher heitsgeländer der RAINER Gruppe, die 1959 in der Rainergasse startete und heute Mobilität, Immobilien, Hotels und Filmproduktion umfasst. Gründer Burkhard Ludwig Ernst (94) steht seit

1959 für Aufbruch und Diversifizie rung. Gemeinsam mit seiner verstor benen Frau Inge schuf er ein Kon- glomerat aus rund 50 Gesellschaften – stets mit Blick auf Zukunft und Be stand. Gabriela Lemberger leitet die Finanzen sowie die Hotelsparte mit Häusern in Wien, München, Berlin und Wels. Ihr Fokus gilt außerdem Organi sation und Personal. Ihr Credo: Arbeits zeiten müssen sich nach Lebenssitua tionen richten, nicht umgekehrt. Jeder hat seinen Bereich Ihr Bruder Burkhard Ernst repräsen tiert die kreative Seite der Familie. Als Filmproduzent („Tatort“, „So haben wir dich nicht erzogen“) verbindet er wirtschaftliches Denken mit kul turellem Anspruch. „Jeder kann, kei ner muss,“ lautet seine Antwort auf die Frage, welche Familienmitglieder künftig in den Betrieb einsteigen. Fast 60 Jahre jünger als ihr Großvater ist Stephanie Ernst (37), verantwortlich für Immobilien. „Sanieren statt spe kulieren“ lautet ihr Grundsatz: Nach haltigkeit statt kurzfristigem Gewinn. Den Autohandel führt Maximilian Lemberger, Gabrielas Sohn. Er digi talisierte das Geschäft, erweiterte es um Vespa und Piaggio und setzte für die Kunden auf 360°-Service.

Loyalität als Fundament Über 500 Lehrlinge wurden bereits aus gebildet, viele übernommen. Mitarbeiter aus mehr als zwei Dutzend Nationen sind teils seit Jahrzehnten im Haus. Neue Projekte, vom RAINER Sicher heitszentrum in Wien-Favoriten bis zu Hotelbauten in Budapest, folgen dem Familien-Leitspruch: „Solide arbeiten, Kapital in der RAINER Gruppe halten und Verantwortung übernehmen.“ n

FACTS Mobilität & mehr. Die RAINER Gruppe wurde 1959 in der Rainergasse in Wien gegründet und star tete zunächst als Kraft fahrzeughandel. Im Laufe der Jahrzehnte diversifi zierte sich das Unterneh men. u. a. in die Bereiche Immobilien und Hotellerie. Der Konzern ist in Öster reich, Deutschland und Ungarn tätig. Aktuelles Großprojekt: der Bau des RAINER Sicherheitszent rums in Wien Favoriten.

Gabriela Lemberger und ihre Nichte Stephanie Ernst: Jede hat ihren Bereich – und ein Vetorecht.

FOTOS: ALEX FELTEN

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BURGENLAND TOP FAMILIEN BETRIEB

Strobl GmbH Spricht man von handwerklicher Präzision, kommt man am südburgenländischen Traditionsunternehmen aus Deutsch Kalten brunn nicht vorbei. Ob Neubau, Renovierung oder Reparatur – seit 25 Jahren steht die Strobl GmbH für höchste Qualität und Kundennähe. MEHR ALS NUR HOLZBAU

TEXT: MANFRED VASIK

FOTOS: ANDI BRUCKNER

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BUSINESS

Gründung 2000 FAKTEN

über 60 Mitarbeiter: innen

4x Holzbaupreis Burgenland (2012, 2015, 2020, 2024) Burgenlands bestes Familienunternehmen (2023) Mehrfacher Burgenland-­ Gewinner bei „Austria’s Leading Companies“

Die Strobl GmbH in Deutsch Kaltenbrunn vertraut auf ein starkes Team aus über 60 hochqualifizierten Mitarbeiter:innen.

der Einstieg von Nina Strobl in den väterlichen Betrieb. Nicht nur im Controlling und im Marketing hält sie Rudolf Strobl den Rücken frei, als Co-Geschäftsführerin ist sie Garantin für die Beibehaltung des eingeschlagenen Wegs. Dieser Weg zeichnet sich durch hohe Qualitäts ansprüche an die eigenen Produkte und Dienstleistungen sowie durch hohe Flexibilität am Markt aus. „Wir verbinden Handwerkstradition mit moderner Baukunst und sind breit genug aufgestellt, um jederzeit auf Marktschwankungen zu reagieren und unsere Schwerpunkte verla gern zu können. Das bedeutet für uns einen entscheidenden Wettbe werbsvorteil“, erläutert Rudolf Strobl. Voraussetzung dafür: Neben dem er fahrenen Team auch der moderns te Fuhr- und Maschinenpark des Burgenlands, der erst heuer wieder erweitert wurde. Von der computer gesteuerten CNC-Abbundanlage bis zur vollautomatisierten Spenglerei läuft alles hocheffizient. Selten also war ein Firmenslogan treffender: „Wenn‘s ums Bauen geht, hol’z den Strobl!“ n

W enn Rudolf Strobl über sein Unternehmen spricht, merkt man ihm sofort die Leiden schaft an, mit der er den burgenlän dischen Vorzeigebetrieb gemeinsam mit seiner Tochter Nina führt. Vor 25 Jahren übernahm der gelernte Zim mermeister eine insolvente Firma und von Beginn weg stellten sich der Erfolg und stetiges Wachstum ein. Heute beschäftigt die Strobl GmbH über 60 hochqualifizierte Mitarbei ter:innen auf einem Areal von rund 20.000 Quadratmetern und hat sich in den Sparten Holzbau, Spenglerei und Dachdeckerei längst über die Grenzen des Burgenlands hinaus einen Namen gemacht. Rudolf Strobl hat dabei aber niemals seine Wurzeln vergessen und setzt auf die Nähe zu seinen Kunden sowie auf echte Handschlagqualität. Jede Aufgabe wird mit absoluter Präzision und Sorgfalt ausgeführt – egal ob Kleinstauftrag oder Großprojekt. Pfeiler des Erfolgs Gründe für den nachhaltigen Auf stieg der Strobl GmbH gibt es viele, ein ganz wesentlicher war definitiv

Wir sind breit genug aufgestellt, um jederzeit auf Marktschwan kungen zu reagieren und unsere Schwer punkte verlagern zu können.

Rudolf Strobl Gründer und Eigentümer Strobl GmbH

FOTOS: ANDI BRUCKNER

WEEKEND BUSINESS | 27

SALZBURG TOP FAMILIEN BETRIEB

FILMREIFE GESCHICHTE

Degn Film Schon als Kind war Susi Degn ständig am Filmset dabei und schaute den Eltern über die Schulter. Nach Stationen beim ORF und Red Bull Media House führt sie die Produktionsfirma mit frischem Blick, Erfahrung und Leidenschaft.

TEXT: SANDRA EDER

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BUSINESS

FACTS Degn-Film. Die Film- und TV-Agentur mit Sitz in Salz burg und Wien wurde 1974 gegründet und zählt zu den größten privaten Filmprodu zenten Österreichs. Das Port folio reicht von Dokus über Entertainment-Formate bis hin zu Imagefilmen für ORF, ServusTV und namhafte Wirt schaftskunden. Über 2000 produzierte TV-Minuten wurden 2024 ausgestrahlt.

Zum 50-jährigen Firmenjubiläum übernahm Tochter Susi die Geschäfts führung von Mucky Degn. Zuvor sammelte die 44-Jährige wertvolle Medien kompetenz und war u.a. als Redakteurin für ORF und ServusTV tätig.

A

Kind.“ Bei regelmäßigen Frühstücks dates tauschen sich die beiden aus. Ob sie sich immer einig sind? „Nein, definitiv nicht. Es kann ganz schön krachen. Aber wir diskutieren im mer respektvoll“, grinst die Tochter. Wer mit den Degn-Frauen am Tisch sitzt, spürt die gegenseitige Wert schätzung. Susi schwärmt von der Erfahrung und der Vorbildwirkung ihrer Mutter. Mucky lobt den Ehr geiz und das wirtschaftliche Denken ihrer Nachfolgerin. Einer von vielen Punkten, in denen sich die Frauen unterscheiden. „Ich habe immer aus dem Bauch entschieden“, so Mucky. Starke Geschichten In ihrer Passion sind sich die zwei aber einig: Sie lieben es, Geschichten über Menschen zu erzählen und den Zuschauern Formate zu bieten, die Emotionen wecken und unterhalten. „Das ersetzt keine KI“, ist Susi Degn überzeugt. Dennoch hat sie eine „Taskforce“ ins Leben gerufen, die sich laufend mit neuen Entwicklun gen und Apps auseinandersetzt. Die 44-Jährige hat sich zum Ziel gesetzt, sich, vor allem aber das Unternehmen, mutig weiterzuentwickeln. Ihr wich tigstes Learning aus dem ersten Jahr als Geschäftsführerin? „Ich darf mir selbst Zeit geben.“ Ihre Mutter schrieb schließlich auch 50 Jahre an ihrer eige nen Erfolgsgeschichte ... n

in der heimischen Medienlandschaft Fußstapfen, die zugegebenermaßen schwer auszufüllen sind. Von Frau zu Frau Umso wichtiger war es für Susanne Degn eigene Wege zu gehen, be vor sie das Familienunternehmen im Vorjahr übernahm. „Ich hatte ehrlich gesagt keine Erwartungen, aber Respekt davor. Heute kann ich sagen: Ich liebe die Aufgabe.“ Was vorrangig daran liegt, dass Mucky – wie Susi ihre Mutter im berufli chen Kontext nennt – zwar jederzeit mit Rat und Tat zur Seite steht, die Entscheidungskraft hat sie aber an die nächste Generation weitergege ben. „Ich habe immer gesagt: Wenn ich übergebe, dann zu 100 Prozent und mit vollstem Vertrauen in mein Ich kann mich an keine Zeit in meinem Leben ohne Medien gestaltung erinnern. Ich liebe diesen Beruf.

ls erfolgreiche Produzentin nen für TV-Sender wie Ser vusTV und ORF erzählen

Mucky und Susanne Degn für ge wöhnlich Geschichten über spannen de Persönlichkeiten und ihre Erfolge. Doch kaum jemand weiß, dass ihre eigene Geschichte mindestens ebenso filmreif ist – und alles bereithält, was ein spannendes Drehbuch braucht. Starke Charaktere, Liebe, Action, un vorhersehbare Wendungen und ein Happy End mit dem erfolgreichen Generationenwechsel zum 50-jährigen Firmenjubiläum. Aber starten wir die Geschichte am Anfang, im Jahr 1974. Die junge Skilehrerin Mucky wird als Double für einen Ski-Film engagiert und verliebt sich am Set in den Ka meramann Günter Degn. Als kurz vor seiner USA-Reise der Ton- und Kameraassistent erkrankt, springt die Salzburgerin kurzerhand ein. Der Anfang einer erfolgreichen Karriere als Quereinsteigerin. Und als weibli cher Pionier in der Branche. „Es hat genug Kameraleute gegeben, die es dezidiert abgelehnt haben, mit einer Frau zu arbeiten“, erinnert sich Mar got „Mucky“ Degn zurück. Mit Fleiß, Mut und Innovationsgeist erarbeitete sie sich über die Jahre Respekt und Anerkennung. Fünf Jahrzehnte lang baute sie Degn-Film zu einer der größ ten und erfolgreichsten Produktions firmen Österreichs auf und hinterlässt

Susanne Degn Geschäftsführerin Degn Film

FOTOS: WILDBILD/GÜNTER FREUND, QIMIQ HANDELS GMBH

WEEKEND BUSINESS | 29

TIROL TOP FAMILIEN BETRIEB

Martin Lechner

Zillertal Bier Seit über 500 Jahren wird bei Zillertal Bier nicht nur Bier gebraut, sondern Geschichte geschrieben: Als älteste Privatbrauerei Tirols in Familienbesitz steht der Betrieb für gelebte Braukunst, tiefe regionale Verbundenheit, nachhaltiges Wirtschaften und den Mut, Tradition mit Innovation zu verbinden. FAMILIENERBE MIT GESCHMACK

TEXT: MEL BURGER

FOTO: MEL BURGER

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BUSINESS

FACTS Meilensteine. Zillertal Bier ist eine moderne Brauerei mit großem Respekt vor ihrer Geschichte. Jährlich werden rund 10 Millionen Flaschen abgefüllt. In den Gärtanks befinden sich während der Hauptgärung 2,7 Billiarden Hefezellen – ein faszinieren der Mikrokosmos. Dank bio logisch angebauter Zutaten werden 12 Tonnen Herbizide und Pestizide eingespart.

Seit 525 Jahren braut Zillertalbier Bierspezialitäten nach überlieferter Tradition. Heute mit modernster Technik, aber immer mit regionalen Zutaten.

ist. Zillertal Bier beschäftigt heute rund 150 Mitarbeiter und zählt damit zu den bedeutendsten Arbeitgebern in der Re gion. Die enge Zusammenarbeit mit der heimischen Landwirtschaft spielt eine tragende Rolle. Mit etwa 80 Landwir ten werden auf 100 Hektar regionale Getreidesorten angebaut. Dieses Mo

Z illertal Bier steht für mehr als Bier – es steht für Verantwor tung über Generationen, für nachhaltiges Handeln, für Zusammen halt und für Tiroler Lebensfreude. Mar tin Lechner und sein Team führen das Unternehmen mit Weitsicht und Wer ten, die heute aktueller sind denn je: Regionalität, Qualität, Nachhaltigkeit und der Mut, Tradition immer wieder neu zu denken. „Was uns seit jeher an treibt, ist die Begeisterung: Für erlesene heimische Rohstoffe. Für vertrauensvol le Partner mit Handschlagqualität. Und für euch: Genießerinnen und Genießer, die den feinen Unterschied schmecken“, erklärt Martin Lechner. Zillertal Bier – ein Stück Tirol in jeder Flasche. Familienbetrieb mit Wurzeln D en Grundstein legte Ludwig Jobst, der 1678 das „Polsingerhaus“ erwarb, und damit der erste freie Bierbrauer Tirols wurde. Seither ist die Brauerei fest in Familienhand. Die Kunst des Bierbrauens wurde über Generationen weitergegeben – begleitet von Innova tionsgeist, unternehmerischer Verant wortung und tiefer Verbundenheit zur Heimat. N icht nur Männer haben die Brauerei geprägt: Starke Frauen führten in schwierigen Zeiten das Unternehmen mit Geschick weiter – eine Tradition, die Zillertal Bier zu dem macht, was es heute

dell schafft regionale Wertschöpfung, Sicherheit und Identität. Mutiger Wandel Zillertal Bier hat in den letzten Jah ren zahlreiche Schritte gesetzt, um als Gesamtsortimentsanbieter den Gastronomie- und Hotelleriebereich aus einer Hand bedienen zu können. Dabei bleibt die Qualität kompro misslos: Gebraut wird mit regionalen Rohstoffen, kurzen Transportwegen und Nachhaltigkeit. Mit einer gro ßen Photovoltaikanlage, 100 Prozent Ökostrom, einem innovativen Energie rückgewinnungssystem und eigener CO₂-Rückgewinnung spart Zillertal Bier jährlich rund 1,1 Millionen Kilo gramm CO₂ ein – so viel wie 88.000 Bäume. Für Geschäftsführer Martin Lechner, seine Familie und sein Team bedeutet Tradition nicht Stillstand, sondern die Grundlage für eine zu kunftsfähige Braukultur – mit Regi onalität, Qualität und dem Mut, Be währtes immer wieder neu zu denken. „Als ältestes Familienunternehmen Tirols tragen wir eine besondere Ver antwortung und pflegen unsere starke Verbundenheit mit unseren Mitarbei tern. Denn der Erfolg unserer Brauerei kommt nicht von ungefähr – sondern von einem motivierten Team aus stol zen und fleißigen Menschen.“ n

„Das Tyroler Zwickl ist unser erstes von mittler weile fünf Bieren aus 100 Prozent Tiroler Getreide.“

Martin Lechner Geschäftsführer Zillertal Bier

FOTOS: ZILLERTALBIER, MEL BURGER

WEEKEND BUSINESS | 31

VORARLBERG TOP FAMILIEN BETRIEB

PRÄZISION SEIT 140 JAHREN Seit 1885 besteht Weirather in Hohenems. Über fünf Generationen gewachsene Erfahrung prägt das Haus, das bis heute in Vorarlberg als Inbegriff verlässlicher Handwerkskunst und kultivierter Beratung gilt: mit Uhrmacherkunst von Rang, feiner Schmuckkultur und präziser Augenoptik. Weirather Uhren Schmuck Optik

TEXT: ANDREA FRITZ-PINGGERA

nen Schmuckkollektionen, ist jedoch weitum bekannt für eine exzellente Trauringauswahl. „Die Wertschöp fung soll im Land bleiben, viele Ringe entstehen in kleinen Manu fakturen“, erklärt Claudia Mathis- Weirather. Herzstück ist die getäferte Trauringlounge, ein stilvoller Raum, in dem Kater Hugo bisweilen für Gesellschaft sorgt. Augenoptik mit Blick Nadine Weirather-Siciliano (Jg. 1975), absolvierte im Haus die Optikerlehre und leitet seit 2010 die Augenoptik. Ihr Anspruch ist klar: für jede Per son das bestmögliche Ergebnis und den besten Service. So wächst das Unternehmen im Kleinen weiter, mit Erfahrung, Sorgfalt und kluger Beratung. Die sechste Generation ist bereits an Bord. Emily (Jg. 1999), die Tochter von Paul Mathis und Clau dia, hat Archäologie studiert, und während des Studiums bereits im Betrieb mitgearbeitet. Ihre Masterar beit zur Geschichte der Zeitmessung bildet die Brücke zur Uhrmacherei. Heute verantwortet sie Social Media und Marketing. So spannt Weirather den Bogen „Von der Sonnenuhr bis zur Gegenwart“ zuverlässig, kundig und nah am Menschen. n Paul Mathis gilt als ausge- wiesener Experte für mecha- nische Zeitmesser. Tochter Emily fasste für Uhrenbegeisterte ihre Masterarbeit als Buch „Die Zeit und ihre Geschichte – von der Sonnenuhr bis zur bietet einen mit Zeichnungen erläuterten Datierungsleitfaden für Taschen- und Armband uhren für Einsteiger, Sammler sowie Liebhaber. Armbanduhr“ zusammen. Es ordnet Gattungen und

Walter Weirather, Nadine Weirather-Sicilano, Emily mit Claudia Mathis-Weirather und Paul Mathis.

D

as kleine, feine Familien unternehmen Weirather besteht seit 1885 und ist der

Beim Schmuck arbeiten wir mit vielen kleinen familiengeführten Manufakturen zusammen, unsere Eheringe werden alle in Vorarlberg hergestellt. Darauf sind wir stolz.

älteste Handwerksbetrieb in Hohe nems. Inhaber Paul Mathis, Gremi alobmann der Vorarlberger Juwelie re und seine Ehefrau Claudia, die Einkauf und Verkauf verantwortet, halten die Tradition als Weitergabe des Feuers lebendig. Kundinnen und Kunden kommen von weit her. Das Spektrum mechanischer Uhren ist umfangreich, bereits in den 1990ern führte Weirather als einer der ersten Vorarlberger Händler z.B. Nomos Glashütte im Sortiment. Eigene Uhrenwerkstatt Die große Expertise liegt bei mecha nischen Uhren: Vertrieb und Repa ratur in der eigenen Uhrenwerkstatt prägen das Haus. Geführt werden namhafte Marken wie Chronoswiss, Ebel, Oris, Union Glashütte, Mau rice Lacroix u.v.a. Handwerkskunst bleibt der Maßstab – was möglich ist, wird im Haus repariert. Auch im Schmuckbereich wird nicht nur verkauft, sondern in der eige nen Werkstatt gearbeitet: Perlen werden geknüpft, Lötungen aus geführt. Weirather ist kein Mono- brand-Store und erstellt keine eige

Paul Mathis und Claudia Mathis-Weirather

Ein Haus, das seit Generationen versteht, was bleibenden Wert hat.

FOTOS: UDO MITTELBERGER, LUKAS MATHIS

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GEFAHR FÜR DAS FUNDAMENT UNSERER WIRTSCHAFT Familienbetriebe Das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft – die Familienbetriebe – geben Alarm. Die Rahmenbedingungen in unserem Land werden immer schlechter. Die „Initiative Österreich 2040“ will diesen Negativtrend stoppen und unser aller Wirtschaft wieder stärken.

FOTO: WELLE: -STRIZH-/ISTOCK/GETTY IMAGES

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BUSINESS

S

tellen Sie sich vor, die Re publik Österreich wäre ein Mensch. Wie würde er ausse

um die rasche Gewinnmaximierung, sondern sie denken in Generationen. Stille Großmacht Familienbetriebe sind eine stille „Großmacht“ ohne Lobby. Dafür sind die meisten zu klein (99,7 Prozent aller marktorientierten Unternehmen sind KMU unter 250 Mitarbeiter) und wer den nicht gehört. Große Konzerne sind lauter und können drohen, etwa mit Abwanderung. Familienbetriebe kön nen das nicht. Sie sind fest verankert und fühlen sich Österreich verpflich tet. Wenn sie schwächer werden, so schwächt das den gesamten Organis mus Österreich. Wenn sie aussterben, droht der Republik ein Multiorganver sagen. Die Alarmsignale sind bereits unübersehbar: Viele Betriebe kämpfen um ihr Überleben und die Gefahr ei ner massiven Pleitewelle ist groß.

Druck auf die Politik Doch es ist Rettung in Sicht. Die über parteiliche „Initiative Österreich 2040“ ist die Interessenvertretung all jener Familienbetriebe, die Österreich am Leben und am Laufen halten. Sie will den Organismus wieder fit machen, Herz und Rückgrat wieder stärken und Österreich bis 2040 wieder an die Spitze zurückbringen. Die Initiative wird von Familienbetrieben selbst getragen und von der Weekend Verlagsgruppe medi al unterstützt. Ziel ist es, mehr als 1.000 solcher Unternehmen zu vereinen, um bei der Politik rasch für bessere wirt schaftliche Rahmenbedingungen zu sorgen. Nur wenn jetzt Arbeitnehmer, Arbeitgeber und die Politik gemeinsam an einem Strang ziehen, kann der wirt schaftliche Standort Österreich wieder erfolgreich werden und eine massive Arbeitslosigkeit verhindert werden.

hen? Er wäre so massiv übergewichtig, dass er kaum noch stehen könnte. Die letzten Jahre hat er sich von Schul den nach dem Motto „Koste es, was es wolle“ fett gefressen. Dabei hat er seine wichtigsten Organe, sein Herz und sein Rückgrat, massiv beschädigt. Organe, die diese Last hauptsächlich tragen müssen. Diese Organe sind die familien- und eigentümergeführten Unternehmen in diesem Lande. Sie sichern rund zwei Drittel aller Jobs in der marktorientierten Wirtschaft. Dazu sind sie die größten Unterstützer von Sportklubs, Vereinen, Feuerwehren und die Nummer-eins-Spender für soziale Zwecke. Sie kennen ihre Mitarbeiter beim Namen und geben ihnen Identi tät sowie Sicherheit. Es geht ihnen nicht

Die drei zentralen Forderungen an die Politik:

1 Ende der Life- style-Teilzeit Österreich ist eine Teilzeit republik. Nur in den Nie derlanden wird noch we niger Vollzeit gearbeitet. Das schadet dem Standort und treibt den Fachkräfte mangel an. Die Initiative Österreich 2040 fordert daher: Wer weder Kinder noch Pflegefälle betreut bzw. nicht studiert und freiwillig in Teilzeit arbeitet – und damit auch weniger in das Sozialversicherungs system einzahlt –, muss durch Selbstbehalte mehr beitragen.

2 Recht auf Mehrarbeit Viele leistungsbereite Ar beitnehmer oder Pensio nisten werden für ihre Be reitschaft, mehr oder länger zu arbeiten, heutzutage be straft. Durch eine steuerli che Flat Tax von nur 10 Pro zent soll Mehrarbeit (mehr Stunden oder mehr Jahre) attraktiver werden. Das ver bessert die Wettbewerbsfä higkeit des Landes und die finanziellen Möglichkeiten des Einzelnen. Damit wird Leistung wieder belohnt und automatisch bleibt mehr Geld im Börserl.

3 Steuer auf Chinapakete So manches Schnäppchen bei Temu, Shein und Co. kommt uns teuer zu ste hen. Der massive Leerstand in den Städten ist für diese Entwicklung ein stiller Zeu ge. Die täglich 30.000 Pakete aus Fernost schaden unserer Wirtschaft und manchmal auch Leib und Leben. Wäh rend unsere Produkte hohe Qualitätsmaßstäbe erfüllen müssen, wird das bei man chen Dumpingwaren unter wandert. Höhere Steuern sollen dem Billigimport einen Riegel vorschieben.

Das sind die ersten drei For derungen, um Österreichs Wirtschaft wieder fit zu ma chen. Über die Entwicklung werden wir Sie laufend in formieren. Weitere Infos: www.initiativeoesterreich2040.at

FOTO: ISTOCK.COM/ -STRIZH

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