Business Kärnten 2025 KW44
BUSINESS
eigene Tun im Vordergrund. Eine Studie der KMU Forschung Aus- tria zeigt, dass Unternehmerinnen Kundenzufriedenheit wichtiger ist als Gewinnmaximierung. Das heißt in der Praxis: Unternehmen, die von Frauen geführt werden, punkten oft mit einer stabileren Kultur, geringe rer Fluktuation und einer stärkeren Mitarbeiterorientierung. Davon pro fitieren übrigens auch männliche Mitarbeiter: Unter weiblicher Füh rung gibt es weniger Personalabbau und mehr beschäftigtenfreundliche Zusatzleistungen. Gemeinsam erfolgreich „Frauen und Männer haben unter schiedliche Herangehensweisen, und diese brauchen wir auch in unserer so herausfordernden Zeit“, betont Karoline Edtstadler, Landes hauptfrau von Salzburg. Julia Zotter sieht in der Zusammenarbeit auch einen Wettbewerbsvorteil: „Unter nehmen, die Vielfalt fördern, sind resilienter und attraktiver für Ta lente.“ Fazit: Es geht nicht darum, ob Frauen „besser“ führen, sondern darum, dass unterschiedliche Stär ken im Zusammenspiel die beste Lösung hervorbringen. n orientiert heißen, aber mit mehr Be dacht auf Teamdynamiken und mehr Empathie. Ich denke, das ist auch kul turell so gewachsen – Frauen arbeiten häufig in Jobs, in denen sie Teil einer Gruppe sind, nicht Einzelkämpfer. Das fördert Kompetenzen in der Teamlei tung. Leider wird von Männern gerne erwartet, sich zu profilieren, aus der Gruppe herauszustechen. J. Zotter: Menschen wollen sich auf gehoben fühlen, in ihrem Job gesehen und wertgeschätzt werden – bleibt also aufmerksam. Bleibt neugierig. Eine so lide Basis an Wissen ist wichtig. Eigen- initiative und Lernbereitschaft öffnen Türen. Dampfplauderei wird Män nern leider viel leichter verziehen als Frauen. n Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben?
Coachen und fördern Dass Frauen führen können, steht längst nicht mehr zur Diskussion und wird auch von zahlreichen Studien untermauert. Die Frage lautet also vielmehr: Führen sie anders – und inwiefern profitieren Unternehmen davon? Studien legen nahe, dass Frau en stärker „transformational“ führen: Sie binden Mitarbeitende ein, coachen, fördern Talente und setzen auf Kom munikation und Feedback. Männer tendieren im Durchschnitt eher zum „transaktionalen“ Stil mit klaren Ziel vorgaben und Belohnungssystemen. Das zeigt sich auch im Umgang mit Risiken: Von Frauen geführte Unter nehmen sind stabiler, weniger fremd finanziert und seltener insolvent. Sie investieren vermehrt in Menschen und deren Kompetenzen, während Männer häufiger auf Sachkapital setzen. Zudem gelten Frauen als Pro blemlöserinnen in Krisensituationen. Nicht zufällig wurden während der Covid-19-Pandemie Regierungsche finnen wie Jacinda Ardern (Neusee land) und Sanna Marin (Finnland) international für ihr erfolgreiches Krisenmanagement hervorgehoben.
Ich begegne Vorur teilen mit Leistung und Offenheit. Sich in die Opferrolle zu rückzuziehen, ist meiner Ansicht nach nicht zielführend.
Karoline Edtstadler Landeshauptfrau (ÖVP) Salzburg
Andere Motivation, andere Wirkung
Wer hat Sie auf Ihrem beruflichen Weg besonders geprägt? J. Zotter: Meine Eltern – in einem Fa milienbetrieb ist man von Anfang an involviert. Man braucht viel Verant wortungsbewusstsein, aber bekommt auch viel Rückhalt. Von meinem Vater habe ich gelernt an Ideen festzuhalten, auch wenn es Hindernisse gibt. Von meiner Mutter kommt die Konzentration aufs Wesentliche. Diese „weibliche“ Stärke in der Führung hängt stark mit der un terschiedlichen Erfolgsmotivation der Geschlechter zusammen. Wäh rend Männer häufiger kurzfristiges Wachstum als Ziel nennen, stehen bei Frauen nachhaltiger Erfolg und die Verbesserung der Welt durch das
FOTOS: ZOTTER SCHOKOLADE, SALZBURGER VOLKSPARTEI
Führen Frauen tatsächlich anders? J. Zotter: Aus meiner Perspek tive teamorientierter. Das muss nicht unbedingt nur konsens-
Julia Zotter Junior GF, Zotter Schokolade Steiermark
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